Yoga Philosophie einfach erklärt

Yoga Philosophie einfach erklärt – Grundlagen des Yogasutra nach Patanjali

Yoga. Was verbirgt sich eigentlich hinter diesen geheimnisvollen Bewegungen, die wir täglich als Asanas praktizieren? Woher stammt Yoga und was ist der wahre Sinn dahinter? In diesem Beitrag gebe ich dir einen Einblick in die Grundlagen der Yoga Philosophie und gehe diesen Fragen auf den Grund.

Was steckt hinter den Asanas?

 

In den westlichen Kulturen kennen wir Yoga eigentlich fast nur als körperliche Betätigungen: die Asanas oder auch Yogasana sowie Yoga Pranayama, die Atemübungen. Doch hinter den harmonisch aussehenden Bewegungen, die im Takt mit dem Atem ausgeführt werden und Gesundheit und körperlichen Fitness dienen sollen, verbirgt sich eine noch weitaus größere Welt. Eine Welt, die für das Auge nicht sichtbar – und doch bereits über 2000 Jahre alt ist: die Yoga Philosophie – oder auch nach Patanjali, dem Vater des Yoga, das „Yogasutra“. Während wir nämlich die Asanas oft mit dem Yoga gleichsetzen, sind diese in Wahrheit nur ein Teil des Yoga – genauer noch – eines der acht Pfade des Patanjali, auch Ashtanga Yoga, „achtgliedriger Yoga“, genannt. Die Asanas sind somit ein Teil eines größeren Ganzen, welches wir im Folgenden näher betrachten werden.

 

yogasutra

 

Einführung in das Yogasutra

 

Neben den Upanishaden und der Bhagavad Gita ist eine zentrale Quelle des Yoga das Yogasutra, das von Patanjali, einem indischen Gelehrten, verfasst wurde. Dieser lebte den Vermutungen nach im 2. Jahrhundert n. Chr. Dabei stellte Patanjali Yoga im Yogasutra als eines von sechs orthodox philosophischen Denksystemen (Darshanas) dar.

Ziel des Yoga ist die Verwirklichung des höchsten Selbst

 

Wie im letzten Blogbeitrag „Yoga für Anfänger“ erwähnt, wird Yoga nicht nur als körperliche Praxis, sondern ursprünglich als Weg zur Selbsterkenntnis verstanden. Dabei sind die Wege zur Selbsterkenntnis so unterschiedlich wie die Individuen selbst, die Yoga praktizieren. Doch so unterschiedlich die Wege sein mögen, bleibt das Ziel immer das gleiche: Samadhi – die Verwirklichung des höchsten Selbst. Deshalb gibt es beim Yoga nicht den einen richtigen Weg für alle. Vielmehr wird Yoga an den Einzelnen angepasst. So wie ein Geschirr an den Fahrer und seinen Wagen angepasst wird.

 

Tatsächlich wird in der Yogaphilosophie das Individuum als ein Reisender im Wagen gesehen. Der Wagen ist der Körper, die fünf Pferde seine Sinnesorgane, der Fahrer der Verstand, Fahrgast die Seele und das Geschirr im Indischen das Yoga. Yogasutra ist dabei in gewissen Maßen ein Leitfaden dafür, wie man im bildlichen Sinne das Geschirr, also das Yoga, „anpassen“ bzw. „tragen“ soll. Es bedeutet wörtlich übersetzt „Faden“. Es besteht aus vier Kapiteln und 195 Versen, die im Sanskrit die acht Glieder des Yoga behandeln und damit die Essenz des Yogaweges zusammenfassen.

 

DIE 8 GLIEDER DES YOGA

 

Die acht Glieder des Yoga stellen die ganzheitliche Yoga Praxis dar. Auch wenn diese als achtgliedriger Pfad oder als Stufen bezeichnet werden, sind die Disziplinen nicht unbedingt in einer Reihenfolge auszuüben. Vielmehr sind die verschiedenen Aspekte erst gemeinsam wirksam und können zu Samadhi führen – der vollkommenen Ruhe des Geistes.

Yama (Moral)

Niyama (Selbstdisziplin)

Ishvarapranidhana (Hingabe an Gott)

Asana (Yogaübungen, körperliche Disziplin)

Pranayama (Kontrolle des Atems)

Pratyahara (Beherrschung der Sinne)

Dharana (Konzentration)

Dhyana (Meditation)

Samadhi (Verwirklichung des höheren Selbst)

 

DIE 4 KAPITEL DES YOGASUTRA

 

Der achtgliedrige Pfad (nach Patanjali auch „Ashtanga Yoga“) wird von Patanjali in vier verschiedenen Kapiteln (Padas) behandelt:

Samadhi Pada – beinhaltet den bekanntesten Vers des Yogasutra „yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ |1.2“, was übersetzt heißt, „Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist“. Damit erklärt Patanjali im Samadhi Pada, was Yoga ist, welche Stufen von Samadhi es gibt, was die Hindernisse auf diesem Weg sind und wie man letztendlich jene überwindet, um zur reinen Erkenntnis zu kommen – dem Bewusstseinszustand, in dem der Geist in vollkommener Ruhe und auf das Höchste ausgerichtet ist.

Sadhana Pada – in diesem Kapitel erläutert Patanjali die spirituelle Praxis des Yoga (Sadhana) und geht auf die Ursachen des Leidens sowie auf die Bedeutung des Karmas ein. Auch werden im Sadhana Pada die Lebenseinstellungen von Yogis beschrieben.

Vibhuti Pada – befasst sich vor allem mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten (Vibhutis), die ein Yogi, also ein Mensch, der ernsthaft Yoga übt, durch Konzentration entwickeln kann. Dabei behandelt Patanjali hier drei Glieder des achtgliedrigen Pfades: Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Versenkung).

Kaivalya Pada – lm vierten Pada geht es schließlich um die Befreiung des Geistes, Kaivalya, einem sehr wichtigen Wort in der Yoga Philosophie. Denn es beschreibt im Näheren das Ziel des Yoga – die absolute Losgelöstheit des Geistes von der Materie.

Konkret geht also Patanjali im Yogasutra der Frage nach, wie der Mensch die vollkommene Freiheit des Geistes erlangen kann. Die Freiheit von Furcht, Sorge und Ungewissheit sowie von jeglichen Erwartungen und Wünschen, die mit Leid verbunden sind. Eine Frage, mit der sich die Menschen scheinbar schon vor Jahrhunderten befassten – und nicht durch die Bewusstseinsbewegung des 21. Jahrhunderts.

 

Fazit

 
 Jede*r kann und darf Yoga üben auf eine Weise, die für sie oder ihn am besten ist. Ich persönlich finde es wichtig, dass wir die Disziplinen, die in der Yoga Philosophie enthalten sind, nicht zu unserem Nachteil befolgen. Indem wir uns zum Beispiel selbst Druck machen oder uns selbst kritisieren, wenn wir uns nicht streng an diese halten oder sofort richtig ausführen. Denn genau dies würde wieder in die entgegengesetzte Richtung führen – nämlich nicht in die Selbstliebe und Freiheit, sondern zu noch mehr Leid. 

Man sollte Kaivalya, Freiheit des Geistes, außerdem auch nicht als ein Privileg der Yoga-Meister sehen – und sich damit bereits im Vornherein entmutigen. Denn ist es nicht bereits ein Akt der Freiheit, selbst die Entscheidung treffen zu können, welchen Weg der Erkenntnis wir gehen wollen? Kaivalya beschreibt auch einen Zustand, in dem wir uns über unsere eigene Freiheit bewusst sind. Wie bereits oben beschrieben, ist Yoga keine vorgegebene Vorschrift, an die wir uns halten. Vielmehr gibt die Yoga Philosophie einen Rahmen ohne Grenzen, innerhalb dessen jede*r für sich seinen eigenen Weg gestalten kann, um zu innerem Frieden, Harmonie und Freiheit zu gelangen – seinem ganz persönlichen Samadhi. Yogasana, also die Körperstellungen im Yoga, die wir heute kennen, beschreiben eine Möglichkeit, diesen Weg zu gestalten. Und auf diesem Weg kann ich dich begleiten und unterstützen! Denn meine Herzensangelegenheit ist, dass du lernst, auf deinen Körper zu hören, statt blind einer Stimme zu hören.  

 

Hast du Lust, mit mir zusammen diesen Weg zu gehen? Dann teste doch gleich für 14 Tage kostenlos meine Insight Yoga Online Community, in der du Zugang zu wöchentlichen Yoga Klassen und Meditationen bekommst, einer Asanas-Bibliothek mit Videos und Erklärungen, Inspiration und Anregungen per Email sowie meinen Support, wenn etwas mal nicht klappt!

 

Ich freue mich auf dich!

 

Namasté

Bildquelle:

Canva Pro

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